Zwei Männer tot, eine Frau schwerverletzt: Mordanklage gegen den Totraser Nebojsa S.

Guten Morgen liebe Hessen,

Immer häufiger werden in deutschen Städten illegale Autorennen beobachtet. Teilnehmer sind fast immer junge Männer, die in der Leistungsgesellschaft versagt haben (kein Schulabschluss, kein Beruf, wenig Geld) und deshalb zur Kompensation ein PS-starkes Fahrzeug benötigen, mit dem sie versuchen, den Eindruck finanzieller Potenz und damit indirekt auch besonderer Leistung zu erwecken. Und da gelten dann grundsätzlich keine Verkehrsregeln mehr – weder eine Geschwindigkeitsbeschränkung noch eine rote Ampel oder irgendwelche Vorfahrtsregeln. Und selbstverständlich wird auch keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer genommen. Und so kommt es bei diesen Rennen nicht selten zu schweren Unfällen mit Verletzten oder Toten. Beispiele gibt es viele, wie etwa der Iraker Zoro T. (18), der mit 100 km/h in Dresden eine Radfahrerin tötete (1). Oder die beiden Syrer Mohammad F. (31) und Mouhammed H. (23), die sich – ebenfalls in Dresden – ein Rennen lieferten, bei dem ein 6-jähriges Kind zu Tode kam (2). In Berlin verunfallten vier „junge Männer“ im Alter von 19 bis 21 Jahren – Yusuf, Hamoudi, Hassan und Omran – da der Fahrer in einer 30-Zone mit 150 km/h die Kontrolle über „sein“ 450 PS starkes Fahrzeug verlor (3).

Bislang kamen die Raser meist mit milden Strafen davon. Die Anklage lautet in der Regel fahrlässige Tötung, ggf. in Tateinheit mit weiteren Delikten wie Straßenverkehrsgefährdung, Alkohol oder Drogen am Steuer oder Fahren ohne Fahrerlaubnis. Im Ergebnis werden die Täter dann zu einer Bewährungsstrafe und zum Führerscheinentzug für ein oder zwei Jahre verurteilt. Die meisten Täter wird das kaum beeindrucken, zumal wenn im Herkunftsland die entsprechende Strafe auf zehn Jahre Kerker oder öffentliche Hinrichtung gelautet hätte.

Aber immer häufiger gehen Staatsanwaltschaften und Gerichte dazu über, eine Mordanklage zu prüfen und diese dann auch bei entsprechender Konstellation zu vertreten. Aktuell hat das Landgericht Frankfurt die Mordanklage gegen den Totraser Nebojsa S. (38) zugelassen. Der Beschuldigte ist mehrfach – auch wegen Verkehrsdelikten – vorbestraft und sitzt seit März 2021 in Untersuchungshaft (4). Der Angeklagte war im November 2020 im Frankfurter Ostend mit einem 625 PS starken BMW-SUV mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs und hatte dort einen „Drift“ eingeleitet, um – wie es die Staatsanwaltschaft formulierte – „eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen und anderen Verkehrsteilnehmern zu imponieren“. Dabei verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug und geriet auf einen Fußgängerweg, wo er zwei Männer (27 und 61 Jahre alt) tötete und eine 27-jährige Frau lebensgefährlich verletzte (5). Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte vor der Fahrt die dynamische Stabilitätskontrolle deaktiviert hat, um seine riskanten Fahrmanöver durchzuführen (6).

Auch wenn das den zahlreichen Unfallopfern (besser: Mordopfern) nicht hilft und wahrscheinlich auch nicht alle Nachahmungstäter abhalten wird, bleibt zu hoffen, dass zukünftig möglichst alle Teilnehmer illegaler Autorennen wegen versuchten oder vollendeten Mordes verurteilt werden.

Ihr Rainer Rahn

Landtagsabgeordneter

(1) https://www.bild.de/bild-plus/regional/dresden/dresden-aktuell/unfall-dresden-ps-protzer-18-rast-radfahrerin-tot-67279786.bild.html

(2) https://www.bz-berlin.de/deutschland/dresden-autorennen-junge-6-von-raser-erfasst-und-toedlich-verletzt

(3) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/466365/7

(4) https://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-aktuell/zwei-tote-im-ostend-doppelmord-anklage-nach-todes-crash-an-der-ezb-77704024.bild.html

(5) https://zeitung.faz.net/webreader-v3/index.html#/468820/38

(6) https://epaper.fr.de/webreader-v3/index.html#/473184/36-37

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